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News vom 25.03.2004
25.03.2004
Bericht vom 4.März 2004: „Internationale Frauen im Dialog“
Themenabend im Rahmen des Internationalen Frauentages: Beschneidung
Unser Gesprächskreis ist eine Frauengruppe von etwa 25 Frauen aus z.Zt. 10 verschiedenen
Nationen. Wir wählen gemeinsam die Themen aus, die uns alle interessieren und die wir
in unserem Kreis unter den verschiedenen nationalen Aspekten betrachten können.
Zu unserem Themenabend „Beschneidung“ hatte ich Frau Jawahir Cumar aus Somalia
eingeladen, auf die ich durch einen Zeitungsartikel aufmerksam wurde, der von ihrem
Somalischen Verein gegen Beschneidung berichtete.
Es war ein sehr beeindruckender Abend, der uns alle sehr bewegt hat.
Frau Jawahir Cumar war in ihrer Landestracht erschienen und hatte auch ein somalisches
Kleid für Frau Rika Kant mitgebracht, die im 2. Teil des Abends über ihre Eindrücke in
Somaliland berichtet hat Frau Cumar hatte viel Informationsmaterial und einen Videofilm
mitgebracht .
Zuerst hat sie uns anhand ihrer eigenen Geschichte die Problematik der Genitalverstümmelung
mit ihren lebenslangen Folgen sehr anschaulich geschildert. Anschließend zeigte sie die heutige Verbreitung der Beschneidung in Afrika auf einer Karte. Dann sahen wir den Videofilm der
Mona-Lisa-Sendung über Beschneidung, der u.a. die grausame Folter der Genitalverstümmelung in Realaufnahmen zeigt. Diese schockierenden Bilder machten uns alle sehr betroffen und stumm.
Doch die folgenden Interviews in der Sendung mit den betroffenen Frauen, der Mutter des beschnittenen Mädchens, dem Mädchen selbst einige Jahre später und vor allem die Begründung der Notwendigkeit der Beschneidung durch einen Geistlichen, lösten eine lebhafte Diskussion aus!
Viele Fragen stellten sich spontan: Wieso kann eine Mutter das heute noch ihrer Tochter zumuten?
Warum lehnen sich die Frauen nicht dagegen auf, da doch auch z.T. die Männer das ablehnen?
Wieso kann man das durch den islamischen Glauben begründen, wo diese Praxis doch in anderen islamischen Ländern nicht ausgeübt wird? Wieso tun die Regierungen der betroffenen Länder nichts dagegen, obwohl sie die Beschneidung doch verbieten? Natürlich konnten wir keine Lösung auf
diese Fragen finden, aber das Interesse für die Problematik dieser jahrhundertealten Tradition war
geweckt.
Engagiert verfolgten die Frauen den Bericht von Frau Cumar über die Aktivitäten ihres Vereins.
Vor Ort wird mithilfe von ehrenamtlichen , auch männlichen Helfern, Aufklärungsarbeit geleistet.
Auch der Film wird gezeigt und die Probleme der beschnittenen Mädchen beim Urinieren und bei der
Menstruation angesprochen. Auf diese Weise konnten schon viele Frauen davon überzeugt werden,
ihre Töchter nicht beschneiden zu lassen. Auch hier in NRW ist der Verein aktiv und versucht zu verhindern, dass hier lebende Somalier ihre Töchter durch einreisende Verwandte beschneiden lassen.
Nach einer Pause mit Getränken und Häppchen erzählte im 2. Teil des Abends Frau Rika Kant
von ihrem Aufenthalt in Hargeisa in Somaliland. Ihrem Eindruck nach waren dort alle Frauen beschnitten,
wie sie an dem langsamen .kleinschrittigen Gang der Frauen zu erkennen meinte Sie versuchte auch,
mit den Frauen darüber zu reden, fand aber nirgends die Bereitschaft, darüber zu sprechen , auch nicht bei ansonsten sehr aufgeschlossenen Gesprächspartnerinnen.
So ergab sich als Fazit des Abends für unsere Zuhörerinnen ,dass Aufklärung und offene Gespräche
über dieses Thema mit vielen ,auch den betroffenen, Frauen ,aber auch Männern, vielleicht eine
Möglichkeit sind, einen langsamen Gesinnungswandel herbeizuführen, der dieses Leid den Mädchen
und Frauen ersparen könnte .Dieser Abend hat jedenfalls dank Frau Cumar dazu beigetragen, dass
aus unserem Kreis heraus Anregungen weitergegeben werden, um das Engagement ihres Vereins zu
unterstützen und das Problem mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.
Traute Stahl
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