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Startseite | In den Medien | Rheinische Post am 08.01.11

Rheinische Post am 08.01.11

Genitalverstümmelung: NRW will Opfern helfen

VON GERHARD VOOGT

DÜSSELDORF In NRW sind rund 5600 Mädchen und Frauen von Genitalbeschneidung bedroht oder betroffen. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) will den Opfern jetzt besser helfen. Die Politikerin stellte gestern eine bisher bundesweit einzigartige, mehrsprachige Telefonberatung für die Betroffenen vor. „Genitalbeschneidung ist kein Randthema in unserer Gesellschaft“, sagte Steffens. Meist würden Mädchen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren zur Beschneidung nach Afrika gebracht, in anderen Fällen würden Beschneiderinnen nach Deutschland eingeflogen. „Was hier mit Kindern in einem Alter geschieht, in dem sie eigentlich beschützt werden müssen, ist skandalös“, erklärte Steffens. Die Hotline richtet sich auch an Familienangehörige, Lehrer und Erzieher.

Die Genitalverstümmelung ist vor allem im westlichen und nordöstlichen Afrika verbreitet. In Ägypten, Dschibuti, Mali, Sierra Leone und Somalia sind fast 90 Prozent der Frauen beschnitten. Der Ritus kommt in allen Religionen vor, wird aber in religiösen Schriften nirgendwo gefordert. Ministerin Steffens erklärte, das Ritual sei die Folge „patriarchalischer Strukturen“, bei denen es darum gehe, dass der Mann die Frau zu seinem Besitz machen könne. Fünf bis zehn Prozent der Opfer verbluten bei der Beschneidung. Bei Genitalverstümmelungen wird die Klitoris amputiert – bis hin zur vollständigen Entfernung der Schamlippen. „Beim Mann wäre der Eingriff mit der Amputation des Penis vergleichbar“, erklärte Günter Haverkamp von der „Aktion weißes Friedensband“.

Den telefonischen Hinweisen wollen Jawahir Cumar und rund 70 ehrenamtliche Helfer von der Düsseldorfer Beratungsstelle „Stop Mutilation“ nachgehen. „Viele Familien meinen, sie müssten mit der Beschneidung eine Tradition aus der Heimat fortsetzen“, erklärt die Somalierin. „Manche wissen nicht, dass der Eingriff in Deutschland verboten ist. Wenn wir den Eltern klarmachen, dass ihnen Gefängnisstrafen drohen oder dass das Jugendamt die Kinder aus der Familie nehmen kann, kommen manche zur Einsicht.“

Die vom Ministerium geförderte anonyme Telefonberatung „Kutairi“ (Kiswahili für Beschneidung) findet ab sofort immer dienstags und freitags von 18 bis 20 Uhr statt. Die Hotline ist unter der Nummer 0211/ 98 59 57 89 erreichbar – dort wird auch englisch, französisch, arabisch, kiswahili und somalisch gesprochen.

Quelle: Rheinische Post vom 08.01.11

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