|
Startseite |
In den Medien |
WAZ 10.01.05
RHEINISCHE POST vom 10. Januar 2005
Zweite Hilfsaktion für Krankenhaus
Jürgen Stock
Düsseldorf. "Wir haben das Krankenhaus gerade erst aufgebaut, da
reißen die Wassermassen alles wieder runter." Jawahir Cumar sagt das mit viel Wut
in der Stimme. Die Ausläufer der Flut haben auch ihr Heimatland Somalia
nicht verschont - und viel von dem zerstört, was das Jahrzehnte von
Diktatur und Bürgerkrieg geplagte Land soeben mühsam errichtet hat. Die gebürtige
Somalierin, die seit 17 Jahren als Dolmetscherin in Düsseldorf lebt,
reagierte und sammelt mit Hilfe ihres Vereins, "Stop Mutilation" Spenden
für die Opfer.
298 Somalier sind in den Flutwellen ums Leben gekommen, etwa 54000
wurden obdachlos, tausende Haushalte sind zerstört. "Es trifft diejenigen,
die sowieso wenig haben und sich in mühseliger Kleinarbeit gerade etwas
aufbauten", sagt Jawahir Cumar, die in ihrer Verwandtschaft zwei Tote
beklagt, acht Angehörige sind vermisst. Auf der UNO-Liste der am wenigsten
entwickelten Staaten der Erde rangiert Somalia auf einem traurigen 161.
Rang - von insgesamt 163 Ländern.
Nun wird die Entwicklung Somalias wieder gebremst. Die Infrastruktur
an den Küstengebieten ist völlig zerstört. Die wenigen Schulen (nur
11Prozent der Kinder besuchen eine Grundschule) sind in Schutt und Asche.
Es gibt somit viele Baustellen, auf denen die engagierte Jawahir Cumar lieber
heute als morgen arbeiten würde. Ihren Verein hatte sie 1996 gegründet, um
eine alte Tradition in ihrer Heimat einzudämmen - die Mädchen-Beschneidung.
Bei 95Prozent der Somalierinnen wird die Verstümmelung vorgenommen - mit
lebenslangen psychischen Folgen.
Doch jetzt gehen alle Gelder als Soforthilfe in den Wiederaufbau des
Mutter-Kind-Krankenhauses, das in Bosaso an der Ostküste weggespült
wurde und eigentlich als Geburtsklinik mit Fachpersonal eingerichtet werden
sollte. Cumar wollte in den nächsten Monaten medizinische Instrumente für
das 30-Zimmer-Haus liefern lassen. Jahrelang hatte sie zusammen mit ihren
14 Vereinsmitgliedern und "vielen Sympathisanten aus ganz Deutschland" für
das Projekt gesammelt. Auch die NRW-Landesregierung half mit Entwicklungsgeld.
Jetzt steht die Dolmetscherin wieder am Anfang. Der für sie aber nur
ein Neuanfang bedeuten kann. "Dann bauen wir die Klinik eben wieder auf",
sagt sie trotzig.
Info: Verbindung zu Jawahir Cumar über Tel. 0211/5065745 und
www.stop-mutilation.org
|