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Startseite | In den Medien | RP 10.07.03

RHEINISCHE POST vom 10. Juli 2003

Für die Frau - und gegen ein Tabu

In Düsseldorf lebende Somalier klären über Mädchen-Beschneidung auf / Cholera in Klinik

Von Gökçen Stenzel

Das Ritual kommt aus einer Zeit und Welt, die hier zu Lande nicht vorstellbar ist: In vielen afrikanischen Ländern werden kleine Mädchen an den Genitalien verstümmelt - und leiden oft ihr Leben lang an den Folgen. Falls sie überhaupt überleben und nicht gleich verbluten. Eine, die das in ihrem Heimatland Somalia eindämmen will, ist Jawahir Cumar (26). Die dreifache Mutter lebt in Düsseldorf, ist als Kind hierher gekommen. Da war sie selbst schon beschnitten.

"Ich hatte Glück im Unglück", erzählt sie. "Meine Eltern sind wohlhabend, und so kam ich zur Beschneidung zum Arzt, hatte keine Schmerzen." Das sei jedoch nicht die Regel. Als sie bei einem Besuch ihrer Heimat miterleben musste, wie ein Mädchen nach einer unhygienischen Beschneidung verblutete, wurde sie aktiv, schloss sich dem Deutsch-Somalischen Verein an, dessen zweite Vorsitzende sie heute ist. Seit 1996 setzen sich die betroffenen Frauen gegen die Beschneidung ein - und haben nicht nur bei deutschen Frauen, sondern auch unter somalischen Männern Mitstreiter gefunden. So wie Cumars Halbbruder Said (27), der in Schweden studiert und derzeit seine Familie in Düsseldorf besucht.

"Junge Männer wollen keine beschnittene Ehefrau", sagt er. "Es sind die alten Frauen, oft die Großmütter, die diese Tradition aufrecht erhalten. Immer mit der Begründung, eine unbeschnittene Frau finde keinen Mann. Das ist absurd." Bestes Beispiel: Ginge es nach dem Willen von Cumars Mutter, würde die Enkelin nach Somalia gebracht - "so wie es andere hier lebende Familien oft handhaben", erzählt Cumar. Manche Familien schlössen sich zusammen, um aus der Heimat eine "versierte" Frau einzufliegen, die die Beschneidung vornimmt. Dabei werden dem Mädchen meist die gesamten äußeren Genitale entfernt, dann wird die Vagina bis auf ein kleines Loch vernäht. Wenn die Mädchen später selbst Schwanger sind, braucht es versierte Ärzte: Vor der Geburt muss die Frau regelrecht "aufgeschnitten werden. "Wir informieren auch Kliniken und Ärzte", erklärt Said, der ebenso wie seine Schwester als Dolmetscher für Somalisch arbeitet. "Westliche Ärzte sind verständlicherweise überfordert, wenn sie bei einer Geburt einer beschnittenen Frau gegenüber stehen."

Aufklärungsarbeit für Ärzte und das Dolmetschen - das empfinden Cumar und ihre Mitstreiter als einfach. Im Vergleich zu der Arbeit mit den Somalierinnen, die im Rheinland leben. "Wir machen Info-Veranstaltungen für die Frauen", sagt Jeanette Zachäus, die als Deutsche ehrenamtlich mitarbeitet. Fragen würden dann beantwortet und ein Aufklärungsfilm gezeigt - doch das ganze Thema sei gerade für Betroffene mit einem Tabu belegt. "Deshalb war es einer der schönsten Erfolge, als eine Mutter sich nach dem Film entschloss, ihre Tochter nicht beschneiden zu lassen", erzählt Jawahir Cumar. "Sie wollte es vorher unbedingt."

Um den Frauen vor Ort helfen zu können, hat der Verein vor einigen Jahren ein Mutter-Kind-Krankenhaus in Bosaso an der Ostküste eingerichtet. 100 Patientinnen können behandelt werden, über 30 Zimmer und somalische Fachärzte verfügt die Klinik. Finanziert wird das Haus von somalischen Geschäftsleuten, die der Partnerorganisation des Vereins angehören und mit Hilfe von Beiträgen und Spenden. Die Lage hat sich jetzt verschärft, weil in der Region Cholera ausgebrochen ist. Zachäus: "Das führte dazu, dass die Geburtsklinik Kranke aufnehmen und medizinisch versorgen muss - was sie nicht kann."

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